Die Suche nach dem Unbekannten im Bekannten

Albrecht Mayer und Evgenia Rubinova zu Gast beim Interpretendialog am 10.05.2011 im Holzhausenschlößchen
Frankfurt, 11. Mai 2011: Professionelle Musiker und an Musik interessierte Schüler zusammenbringen und einen persönlichen Austausch ermöglichen – das steht hinter dem Konzept der Interpretendialoge, die von der Frankfurter Bürgerstiftung im Rahmen der Reihe »Holzhausenkonzerte in der Alten Oper Frankfurt« organisiert werden. Den Auftakt bildete das Werkstattgespräch mit dem renommierten Oboisten Albrecht Mayer und der Pianistin Evgenia Rubinova, die soeben von einem Konzert im National Centre for the Performing Arts in Peking zurückgekehrt war. 
Was sind Merkmale des musikalischen Impressionismus? Wie konnte Claude Debussy den fernöstlichen Klang in Pagodes seiner Estampes klanglich so auffangen, ohne jemals in Asien gewesen zu sein? Welche Intertextualität – oder sind es Plagiate? – kann man in Kompositionen finden? Vor etwa 40 Schülerinnen und Schülern berichteten die beiden Musiker während des einstündigen Interpretendialogs u.a. über die Zusammenstellung ihres Abendprogramms, ihre Arbeit an einem Konzertprogramm und den intensiven Arbeitsprozeß hin zu einer persönlichen Interpretation von Musikstücken. Statt Interpretationen anderer Musiker als Vorlage aufzugreifen oder sich bewußt dagegen abzugrenzen, begeben sich Rubinova und Mayer auf die Suche nach dem Unbekannten im Bekannten, indem sie sich ausgiebig mit den Werken befassen, diese lesen und analysieren.
Mit Blick auf den Weg zu den großen Bühnen und Orchestern der Welt betonten Rubinova und Mayer, daß weniger Talent und Begabung, sondern vielmehr disziplinierte Arbeit und Zielstrebigkeit hinter dem Erfolg stehen. Sie unterstrichen die Bedeutung von Willensstärke, wenn es um das Erreichen von selbstgesteckten Zielen geht – ganz gleich, ob im musikalischen, technischen oder ganz anderen Bereich.
Natürlich spielten Rubinova und Mayer zwischen den von Clemens Greve moderierten Gesprächen auch einige Stücke ihres aktuellen Programms. Eingeleitet wurde das Gespräch mit Debussys La Fille Aux Cheveux de Lin (arrangiert für Oboe und Klavier), es folgten Pagodes (Klaviers solo) und als Abschluß der Veranstaltung der zweite Satz von Francis Poulencs Sonate für Oboe und Klavier op. 185. Der begeisterte und lang anhaltende Applaus der Zuhörer forderte eine Zugabe – und wurde gehört: A Chloris, eine zarte und bewegende Ode an die Liebe, die vom französischen Schriftsteller Théophile de Viau (1590 – 1626) als Gedicht geschrieben und von Reynaldo Hahn 1913 in Paris vertont wurde. Mayer ließ seine Oboe die schönen Zeilen singen, begleitet von Rubinova am Flügel.
Die Frankfurter Bürgerstiftung möchte seit ihrem Bestehen Kindern und Jugendlichen den Zugang zur klassischen Musik zu ermöglichen. Projekte wie „Klasse Musik“, „Interpretendialog“ und das Kooperationsprojekt „Musikmobil“ wenden sich an Kindergartengruppen und Schulklassen aus Frankfurt und dem Umland mit dem Ziel, Begeisterung für klassische Musik zu fördern und die Neugier am Musizieren zu wecken. Die Teilnahme an diesen Projekten ist kostenfrei.
Im Rahmen der kommenden Holzhausenkonzerte wird die Frankfurter Bürgerstiftung Tabea Zimmermann und Kirill Gerstein (22.11.2011, 11.00 Uhr) sowie Carolin Widmann und Alexander Lonquich (17.4.2012, 12.00 Uhr) zum Interpretendialog im Holzhausenschlößchen begrüßen. Interessierte Schulklassen wenden sich bitte an:
Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlößchen
Aino Rauha Kelle
Tel.: 069/55 77 91
Fax: 069/ 59 88 05
E-Mail: kelle@frankfurter-buergerstiftung.de





